Sie haben all unsere Träume zerstört!


Sichtlich bewegt erzählt Muhamet von den Zuständen in seinem Heimatland. Der syrische Flüchtling war auf Einladung des Lehrers Richard Rupp in der Mittelschule an der Weinberger Straße zu Gast. Gebannt lauschten die Schüler der zehnten Klassen den Schilderungen des jungen Mannes.
Er hatte ein gutes Leben in Syrien, in einem Dorf bei Damaskus, bis nach der Revolution 2011 der Bürgerkrieg ausbrach. Seitdem herrscht dort der blanke Horror.

 

Drei Gruppen kämpfen gegeneinander, man ist nirgendwo mehr sicher. „Kinder gehen morgens in die Schule und kommen nicht mehr zurück.“ Menschen werden ohne Grund verhaftet, in Gefängnisse gesteckt oder getötet. Jede Fabrik, jede Schule ist zum Gefängnis umfunktioniert. „Dort bekommt man nur etwas zu essen, wenn man zahlt oder den umbringt, der zu essen hat.“

 

Bomben explodieren überall, Muhamet selbst hat seine Familie, sein Heim und viele Verwandte durch einen Raketenangriff verloren. Nach seinen Eltern sucht er immer noch und hofft, dass es ihnen gelingen konnte, zu fliehen.

 

Der Grafik-Designer, der eine gute Stelle beim Fernsehen hatte, sah keine andere Möglichkeit als zu fliehen. Er, der bei einem Unfall beide Arme verloren hat, konnte sich noch weniger schützen als gesunde Menschen. Das wenige Geld, das ihm als einziges noch geblieben war, zahlte er an Schleuser, die ihm über Beirut und die Türkei die Flucht nach Mazedonien ermöglichten. Über Ungarn und Österreich kam er nach Passau, Zirndorf und schließlich Neumarkt. 125 km legte er zu Fuß zurück, mitten durch die Wildnis. Insgesamt dauerte seine Flucht 23 Tage, in denen er unter freiem Himmel schlief und ständig Angst hatte, entdeckt und zurück geschickt zu werden.

 

Ob er wieder in seine Heimat zurück wolle, fragten die Schüler. Das sei sein großer Wunsch, Syrien sei ein wunderbares Land. Aber solange Krieg herrsche, käme er dort sofort ins Gefängnis. “Mit dem Krieg haben wir alles verloren.“ Wie es ihm denn in Deutschland gefalle, wollten die Schüler wissen. Muhamet strahlt: „Deutschland ist ein Traum.“ Er sei so dankbar für die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Er habe eine Unterkunft und auch eine Arbeit in Aussicht. Nachdenklich gingen die Schüler in ihre Klassenzimmer zurück. „Mir war gar nicht klar, welch entsetzliches Leid die Menschen in Syrien und auf der Flucht erleben müssen, “ fasst ein Mädchen die Eindrücke des Gespräches zusammen.